Die Erforschung der knidischen Halbinsel (im südwestlichen Kleinasien/Türkei hat durch die längsten türkischen Grabungen in Alt-Knidos starken
Auftrieb erhalten. So konnten neue Befunde, darunter ein wichtiger Inschriftenfund, die Geschichte und Archäologie der archaisch-klassischen Stadt Knidos (beim heutigen Datca) erhellen. Mit den Forschungen zu Alt-Knidos rückt die Suche nach dem Triopion, dem Bundesheiligtum der dorischen Hexapolis (i.e. der Städtebund von Lindos,
Ialysos, Kamiros, Kos, Halikarnassos und Knidos) in den Vordergrund. Dieses Heiligtum war dem Gott Apollon geweiht. Seit dem frühen 19. Jh. ist die archäologische Forschung auf der Suche nach diesem bedeutenden Heiligtum, dessen Blüte der griechische Geschichtsschreiber Herodot für das 7. und 6. Jh. v. Chr. bezeugt. Allerdings ist diese Suche bislang deshalb erfolglos geblieben, weil sie stets in der Umgebung von Neu-Knidos ansetzte. Neu-Knidos, die Stadt an der Spitze der knidischen Halbinsel, aber ist eine Anlage, die
verhältnismässig spät - wohl im 4. Jh. v. Chr. - entstanden ist. Die Lage dieser Stadt ist demnach für die Lokalisierung des archaischen Triopions nicht massgeblich. In dieser Situation hat der Survey, den Prof. Dr. Numan Tuna, Middle East Technical University Ankara, auf der knidischen Halbinsel durchführte, die Grundlage für die erfolgreiche Lokalisierung des
Triopions geschaffen. So konnte die Terrassenanlage von Emecik, die bei Alt-Knidos gelegen ist, näher untersucht werden. Blick von Nordwesten auf die Terrassenanlage von Emecik
Das Areal ist unbebaut und bislang durch archäologische Grabungen nicht erschlossen. Die Anlage besteht aus zwei Terrassenfeldern, die talseitig von einer monumentalen archaischen Stützmauer (ca. 6. Jh. v. Chr.) umschlossen sind. Eine grosse unterirdische Gewölbekammer ist im oberen Terrassenbereich angelegt. Zahlreiche
Fragmente von dorischen Säulen, Architraven und anderem mehr, die sich auf diesen Terrassen befinden, bezeugen die Existenz von aufwendigen Architekturen. Westlicher Teil der archaischen Südmauer
Neue und alte Inschriftenfunde machen deutlich, dass es sich bei der Terrassenanlage von Emecik um ein Heiligtum handelt, das dem Apollon Karneios geweiht war und bis in die römische Kaiserzeit hinein in Betrieb war. Apollon aber ist auch die Gottheit, der das Triopion heilig war. Dies sowie das archaische Alter der Anlage und
die Lage des Heiligtums bei Alt-Knidos weisen darauf hin, dass es sich bei dem Apollonheiligtum von Emecik um das lange vergeblich gesuchte Bundesheiligtum der dorischen Hexapolis, um das Triopion, handelt. Das TACDAM-Institut der Middle East Technical University in Ankara unter Leitung von Prof. Dr. Numan Tuna sowie PD Dr. Dietrich Berges, Archäologisches
Institut der Universität Hamburg, haben sich die Erforschung des Apollonheiligtums von Emecik zum Ziel gesetzt. Geplant sind Grabungssondagen, die die bauliche Struktur des Heiligtums, das Alter sowie die Funktion und Benennung dieser Anlage ermitteln sollen. Das Vorhaben wird finanziell von der Gerda-Henkel-Stiftung in Düsseldorf und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt. |